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Erkelenzer Ritter war der

Der Vortrag wurde mit vielen Bildern aus dem Reisetagebuch untermalt.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 02/2016

Der rheinische „Marco Polo“

Von 1496 bis 1498 pilgerte Arnold von Harff nach Rom, Jerusalem und Santiago de Compostela

Der Ritter und Pilger Arnold von Harff verstarb im Jahr 1505. Nun wurde er noch einmal „lebendig“. In die Gestalt des schillernden Ritters versetzte sich Günther Merkens, Vorsitzender des Heimatvereins der Erkelenzer Lande, der ausgewählte Textstellen aus dem Reisetagebuch vortrug.

Das hatte Arnold von Harff während seiner großen Pilgerreise zu den bedeutenden Wallfahrtszielen Rom, Jerusalem und Santiago de Compostela geführt. Merkens ließ den Ritter und Pilger so selbst zu Wort kommen. Er untermalte die Textpassagen mit historischen Zeichnungen und Karten sowie Fotos von eigenen Pilgerreisen. Ort des Geschehens war St. Pauli Bekehrung Lövenich. Jene Stätte, wo vermutlich in der Vorgängerkirche die Grablege des Ritters war. Niemand weiß, was mit seinen sterblichen Überresten geschehen ist. In der Krypta befindet sich jedoch noch seine Grabplatte.

 

1471 auf Schloss Harff bei Bedburg geboren

Was man sicher weiß, ist, dass von Harff 1471 auf Schloss Harff nahe Bedburg geboren wurde und ab 1499 auf Gut Nierhoven bei Lövenich lebte. Er trat – in Kaufmannstracht – seine Pilgerreise 1496 am Dreikönigenschrein im Kölner Dom an und kehrte am 10. Oktober 1498 dorthin zurück. Dies ist historisch belegt. In seinem Reisebericht spricht von Harff von einer Rückkehr genau ein Jahr später. Er behauptet, auch am Grab des heiligen Thomas im indischen Mylapore gewesen zu sein.

Aus guten Grund, im 15. Jahrhundert, der Blüte des Pilgerwesens und dem damit verbundenen Erwerb von Ablässen, stieg das Ansehen eines Pilgers mit der Zahl der erreichten Wallfahrtsstätten. Doch: „Die Beschreibung dieser Reise ist bei Marco Polo abgeschrieben. Es handelt sich um eine rein fiktive Reise“, sagte Merkens. Ein weiterer Effekt war, dass sich so für von Harff stolze 122000 Jahre Sündenstraf-Erlass ergaben. Seine Pilgerreise verstand von Harff nicht allein als solche, sondern auch als Bildungsreise. Er schloss sich deshalb keiner organisierten Pilgergesellschaft an, sondern reiste in Begleitung von Kaufleuten. Neben den eigentlichen Pilgerzielen besuchte von Harff auch Orte wie Florenz, Toulouse, Logrono, die er ebenfalls ausführlich beschreibt. „Doch ein wesentlicher Teil in seinen Schilderungen gilt dem Erwerb von Ablässen“, betonte Mertens.

 

Begleitung durch einen Trutschelmann

Von Harffs Reise führte ihn nach Meran, Verona, Rom, Venedig, Alexandria, Sinai, Jerusalem, Konstantinopel, Mailand, Wien, Burgos, Santiago de Compostela, Bordeaux, Paris und zurück nach Köln. Auf einem seiner Wege wurde er von einem „Trutschelmann“ begleitet, „einem abgefallenen Christ, der viele Sprachen konnte“, wie von Harff schreibt. Merkens erzählte, dass der Ritter einmal sogar um sein Leben laufen musste. Zwei Pilger wurden in Leon zu Tode geschlagen. Von Harff entkam. „Spanien ist ein schlimmeres Land im Umgang mit Christen, als ich es in der Türkei angetroffen habe“, zitierte Merkens den Ritter. Nicht umsonst war der voller Dankbarkeit am Ende seiner Pilgerreise. „Danke Gott, dass ich die Pilgerreise überlebt habe“, schreibt von Harff. Der Ritter verstarb im Alter von 34 Jahren vermutlich an der Pest.


Von Eva Weingärtner

Veröffentlicht am 07.01.2016

 
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