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Eine Plakette erzählt die Geschichte des Rochuskapellchen Erkelenz

Auf der Bronzetafel stehen die geschichtlichen Daten.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 03/2016

Eine Plakette erzählt Geschichte

Das Rochuskapellchen in Erkelenz erinnert an den Vorgängerbau von 1772 sowie an ein Leprosenhaus

Autofahrer auf der Roermonder Straße sehen das Rochuskapellchen im Vorbeisausen. Spaziergänger verweilen gerne auf der davor stehenden Bank. Doch den wenigsten ist die wechselvolle Geschichte der Kapelle bekannt. Sie ist nun nachzulesen auf einer Bronzetafel.

Die Tafel wurde vom Heimatverein der Erkelenzer Lande gestiftet und von Willi Wortmann gestaltet. Die Idee, eine Plakette am Rochuskapellchen anzubringen, hatte Gerd- Dieter Helbig. „Seit 1988 kümmere ich mich um die Reinigung und Pflege der Kapelle und sorge für den Blumenschmuck“, erzählt er. Seit vergangenem Jahr werde er dabei von Irene van der Ruh unterstützt. „Als wir gemeinsam da waren, kamen Spaziergänger auf uns zu und wollten wissen, welche Bedeutung das Rochuskapellchen hat“, erzählt Helbig. Das sei die Initialzündung gewesen, an den Heimatverein heranzutreten mit der Bitte, eine Bronzetafel an der Kapelle anzubringen.

 

Vorgängerbau musste dem Straßenbau weichen

Schon immer habe ihm das Kapellchen am Herzen gelegen, sagt Helbig. Das hat vor allem mit seiner Geschichte zu tun, die er zum Teil begleitet hat. Das Rochuskapellchen erinnert an ein 1772 errichtetes Kapellchen, das etwas weiter auf dem Platz „Am Lindchen“ stand. Es war ebenfalls dem heiligen Rochus, dem Schutzpatron gegen Pest, Cholera und Tollwut, gewidmet und sollte an ein Leprosenhaus, das im Volksmund „Siekes“ (Seuchenhaus) genannt wurde, erinnern. Dieses stand hier im 17. Jahrhundert und diente als Isolier- und Pflegestation bei ansteckenden Krankheiten und Seuchen. „Die alte Kapelle musste 1969 dem Straßenbau weichen“, erzählt Helbig. Er und viele Anwohner hätten das alte Kapellchen vermisst. „Da ich auf dem St.-Rochus-Weg wohne, habe ich schon als Kind gerne an der Kapelle gespielt“, erinnert sich Helbig.

Im Jahr 1974 habe er als sachkundiger Bürger den Rat der Stadt Erkelenz daran erinnert, dass er seinerzeit versprach, das Kapellchen wiederaufzubauen. „Der Rat wollte sein Versprechen einlösen“, erzählt Helbig. „Doch es kam Gegenwind von anderer Seite.“ Der damalige örtliche Pfarrer und das Generalvikariat Aachen seien strikt gegen einen Wiederaufbau gewesen. Unterstützung habe er seinerzeit in Pastor Barisch gefunden, der für ein halbes Jahr die Leitung der Pfarrei übernommen hatte. „Auch das Generalvikariat stimmte schließlich dem Wiederaufbau zu, nachdem wir zusagten, drei Bedingungen zu erfüllen“, erinnert sich Helbig.

 

Es gab drei Bedingungen für den Wiederaufbau

Die erste besagte, dass der Kirche nur das Kapellchen und die Fläche, auf der es steht, gehört. Für das gesamte Umfeld ist die Stadt verantwortlich. Die zweite besagte, dass keine kirchlichen Feiern am Rochuskapellchen stattfinden sollten. „Die dritte Bedingung war, dass meine Frau und ich das Kapellchen warten und pflegen sollten“, erinnert sich Helbig. 1988 wurde die Kapelle wenige Meter von ihrem alten Standort entfernt neu aufgebaut und von Pfarrer Dieter Plewnia eingeweiht. „Laut ihm sollte an diesem Ort der Glaube wieder lebendig werden und das Rochuskapellchen ein stiller Ort zum Gebet für die Bürger sein“, erzählt Helbig. Von diesem Zeitpunkt an sei das Kapellchen, einer alten Tradition folgend, wieder der Ort, an dem die Fußpilger nach Kevelaer auf ihrem Rückweg von der Pfarrei in Empfang genommen und zum Schlusssegen in die Pfarrkirche geleitet werden. „Rochus selbst war ja auch Pilger auf dem Weg nach Rom. Seine Attribute waren der Wanderstab, der Pilgerhut und die Pilgerflasche“, sagt Helbig. Eine Holzstatue, die in der Mitte des Kapellenraums steht, stellt den heiligen Rochus dar. Sie erinnert an die Statue aus der ursprünglichen Kapelle, die 1959 gestohlen wurde.


Von Eva Weingärtner

Veröffentlicht am 13.01.2016

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